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Leitfaden: Produkte in Videos – was YouTuber dürfen

Von auf spiegel online vom 20.10.2015

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unge/ YouTube

Beginn eines Simon-Unge-Videos: LG wird als Unterstützer genannt

Ein neues Handy hier, ein toller Lippenstift dort: YouTuber führen in ihren Clips gern Produkte vor. Was ist dabei erlaubt? Die Landesmedienanstalten haben einen Leitfaden herausgegeben, der Schleichwerbung verhindern soll.

Mangelnde Transparenz kann man Simon Unge bei seinem Clip „What’s on my Phone“ nicht vorwerfen. Man kann sich aber aufregen, wie lange es dauert, bis er in dem Clip auf den Punkt kommt. Der YouTuber verspricht einen Einblick in seine Apps und Spiele, richtig los geht es aber erst nach viereinhalb Minuten.

Bis dahin erklärt Unge vor allem die Vorzüge seines LG-Handys – etwa, wie komfortabel es sich per Knock-Code entsperren lässt, „Irgendwann dachte ich: ‚Wie konnte ich ohne leben?'“. So ehrlich diese Begeisterung sein mag, sie überrascht nicht, denn schon in der Videobeschreibung dankt Unge LG „für den genialen Support“. In einem Kommentar schreibt er: „Ein Unternehmen wie LG als Supporter zu haben ist einfach echt nice!“.

Das Video selbst beginnt und endet mit der Einblendung „Unterstützt durch LG Electronics“, Unge äußert eingangs außerdem ein „fettes Dankeschön“, dass er das Handy direkt vom Unternehmen bekommen hat, samt eines Reisebudgets. „Genauso muss es halt sein. Sachen, die man sowieso feiert, dass man da Unterstützung bekommt“, sagt er in einer Rückblende.

So viel Transparenz ist selten

So ermüdend Unges Hinweise sind: Es kommt nicht oft vor, dass YouTuber so unmissverständlich erklären, warum sie in ihrem Clip ausgerechnet dieses Produkt in die Kamera halten, und nicht ein anderes. Transparenz kann für den Zuschauer anstrengend, für YouTuber mühsam sein, aber sie ist wichtig. Denn ist eine Produktplatzierung nicht ausreichend gekennzeichnet, wird sie zur Schleichwerbung.

Tipps, wie man solche Produktpräsentationen auf YouTube und in anderen sozialen Netzwerken rechtlich einwandfrei gestaltet, liefern nun die Landesmedienanstalten. Sie sind in Deutschland auch für die Kontrolle der „fernsehähnlichen Telemedien“ zuständig, in Sachen YouTube haben sie schon einmal einen Schleichwerbevorwurf gegen die Comedians von Y-Titty erhoben.

Diesmal jedoch wollen sich die Medienanstalten über niemanden beschweren, sondern erklären, wie man solchen Ärger vermeidet. Nach Beratungen mit Netzwerken wie Mediakraft und YouTubern haben die Anstalten einen FAQ-Katalog veröffentlicht, mit „Antworten auf Werbefragen in sozialen Medien“. Der Werbe-Knigge gebe Tipps, „was du nach dem Gesetz mindestens unternehmen musst, um deine Nutzer zu informieren“, heißt es eingangs. „Du kannst natürlich noch mehr machen.“

Das sind die Tipps der Landesmedienanstalten

Konkret liefert der hier als PDF abrufbare Leitfaden unter anderem folgende Ratschläge für Videomacher:

  • Prinzipiell spricht für YouTuber nichts dagegen, ein Produkt zu bewerben – etwa, weil man es gut findet, oder, weil man es kostenlos zugeschickt bekommen hat. Oder weil man gar Geld für die Präsentation bekommt. Unabdingbar ist in diesem Fällen aber Transparenz: „Wenn nicht klar erkennbar ist, dass es sich um Werbung handelt oder wenn die Trennung der Werbung vom übrigen Inhalt nicht eindeutig ist, muss Werbung gekennzeichnet werden.“
  • Kauft man sich ein Produkt selbst und trägt seine eigene Meinung dazu vor, ist keine Kennzeichnung notwendig. YouTuber sollten allerdings bedenken, dass positive Aussagen eine werbliche Wirkung haben – gerade bei Kanälen mit einer jungen Zielgruppe. „Du hast hier eine Vorbildfunktion und trägst damit eine gewisse Verantwortung“, mahnt der Ratgeber.Konkret anwenden lässt sich dieser Tipp wohl auf sogenannte Haul-Videos, in denen YouTuber ihre Einkäufe aus der Drogerie oder dem Klamottenladen präsentieren: Das Zeigen ist okay, solange man die Produkte selbst bezahlt und ausgewählt hat und seine eigene Meinung statt Werbebotschaften verbreitet.
  • Bekommt man ein Produkt – das könnte zum Beispiel auch eine Reise sein – kostenlos, und dreht sich ein Video vor allem darum, sollte man auf diese Unterstützung hinweisen. Entweder blendet man dafür den Hinweis „Werbung“ ein, wenn das Produkt präsentiert wird, oder man lässt das Video mit dem Hinweis „Unterstützt durch …“ beginnen und erwähnt auch noch mündlich, wie man an das Produkt gekommen ist.Das oben zitierte Unge-Video hält sich ziemlich genau an diese Tipps: mit Einblendungen und einer mündlichen Erwähnung des LG-Sponsorings, sowie Hinweisen per Kommentar und per Videobeschreibung.Wie eine „Werbung“-Einblendung aussehen kann, zeigt dieser Screenshot aus einem „Gammeltag“-Video der YouTuberin DFashion.
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    Dfashion/ YouTube
  • Dreht sich ein Video „ganz oder überwiegend“ um ein kostenlos bekommenes Produkt, raten die Medienanstalten, die ganze Zeit „Dauerwerbung“ oder „Werbevideo“ einzublenden.
  • In Videos, in denen kostenlos erhaltene Produkte eher nebenbei auftauchen – etwa als Teil einer größeren Geschichte -, wird ihr Preis wichtig. Auf die Herkunft von Dingen wie Kleidungsstücke, die einzeln weniger als tausend Euro kosten, muss nicht gesondert hingewiesen werden. Bei einem Wert von mehr als tausend Euro dagegen ist ein Hinweis Pflicht. Vorgeschlagen wird eine Einblendung „Produktplatzierung“ oder „unterstützt durch …“ am Videobeginn.
  • Für den Fall, dass man fürs Präsentieren eines Produktes Geld oder eine andere Gegenleistung bekommt, gleichen die Regeln denen zum Kennzeichen von Geschenken. Ein Unterschied besteht darin, dass der Produktwert der Requisiten egal ist. Der Hinweis auf eine Produktplatzierung ist bei Gegenleistungen in jedem Fall Pflicht.
  • Beliebt unter YouTubern sind sogenannte Affiliate Links, also Links, die etwa aus der Videobeschreibung direkt in Onlineshops führen, wo Zuschauer ein bestimmtes Produkt kaufen können. Kommt nach dem Linkklick ein Kauf zustande, bekommen die YouTuber in der Regel eine Provision, die sich nach dem Kaufpreis richtet. Im Ratgeber heißt es, dass Affiliate Links immer Werbung seien. Direkt „im unmittelbaren Umfeld des Links“ sollte man daher auf den Link-Einsatz hinweisen und erklären, wie solche Links funktionieren und dass man am Umsatz beteiligt wird, wenn Nutzer auf diesem Weg Produkte bestellen.Entsprechende Hinweise finden sich in den Videobeschreibungen fast aller bekannten YouTuber. LeFloid etwa schreibt: „Bei den Links handelt es sich um sog. Affiliate Links. Solltet ihr über diese etwas kaufen, geht ein Teil des Geldes an mich. Natürlich ohne, dass ihr dadurch mehr dafür bezahlt.“Arg kurz kommt der Hinweis zum Beispiel bei der Beautybloggerin Niloofar Irani daher. In der Beschreibung zu ihrem Clip „Lieblings Beauty Produkte“ heißt es lediglich „Es wurden Affiliate-Links verwendet“, ohne Erklärung des Prinzips.
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    Niloofar Irani/ YouTube
  • Ausdrücklich keine Werbung ist dem Leitfaden zufolge das Erwähnen der eigenen Ausrüstung in der Infobox unter dem Video – selbst dann, wenn man die Technik kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen hat. Erwähnt werden können „die Kamera, das Schnittprogramm oder weitere technische Produkte“.Mancher YouTuber wie MontanaBlack hat auffallend viele solcher Links unter seinen Videos – und natürlich handelt es sich um Affiliate Links, worauf MontanaBlack auch hinweist.
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MontanaBlack/ YouTube
  • Als letzten Punkt thematisiert der Leitfaden das Thema Gewinnspiele. Das Verlosen eines Preises, „den du entweder gekauft, kostenlos zugesandt oder auch zusätzlich mit einer Geldzahlung erhalten hast“, ist den Landesmedienanstalten zufolge weder Werbung noch Produktplatzierung – zumindest, solange eine Grenze eingehalten wird: Das Produkt darf maximal zweimal genannt und maximal zweimal kurz optisch dargestellt werden.Wenn Sami Slimani ein selbst gekauftes iPhone verlost, ist das dem Werbe-Knigge zufolge also zulässig – unabhängig davon, ob das Video vielleicht in anderer Hinsicht bedenklich ist. Etwa, weil Slimani in diesem Beispiel sagt, dass seine Preise an auf YouTube, Twitter, Facebook und Instagram besonders aktive Fans gehen – was diese unter Druck setzt, seine Inhalte gut zu bewerten und zu kommentieren. Dazu gibt es zum Beispiel die Einblendung „Klickt auf DAUMEN HOCH & gewinnt diese Riesen-Verlosung! <3>“. Viel plumper geht es kaum. 
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    Sami Slimani/ YouTube

Video: Klick mich, kauf mich!

YouTube/BibisBeautyPalace

Zusammengefasst: Die Landesmedienanstalten haben Tipps dazu veröffentlicht, wie YouTuber ihre Zuschauer auf Werbedeals und Kooperationen mit Unternehmen hinweisen sollen. Es handelt sich um Mindeststandards, die in Zusammenarbeit mit Vermarktungs-Netzwerken wie Mediakraft formuliert wurden. Zumindest die bekannteren YouTuber halten sich in der Regel schon jetzt an die Ratschläge.

Link zum Artikel: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/youtube-legale-reklame-oder-schleichwerbung-leitfaden-fuer-youtuber-a-1058513.html

Hier finden Sie auch die aktuellen Richtlinien zu Placements in Online-Videos.

 

 

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